Verfasst von: radiopraktikum in: 25. September 2008

So ähnlich sah es beim Radiopraktikanten aus: „Ich hätte da gerne einen O-Ton zu“
Telefoninterviews zu führen ist eine klassische Aufgabe des Radiopraktikanten. Da fast alle Geschichten aus anderen Medien stammen (siehe vorheriger Artikel) ist es wichtig sich diese vom Interviewpartner bestätigen zu lassen. Im zweiten Schritt geht es dann darum einige O-Töne zu bekommen. Das läuft dann in etwa so:
Radiopraktikant: „Guten Morgen, hier ist Helle Knülle vom Radiosender xy aus Berlin. Ich habe in der Morgenpost gelesen, dass Sie für Bier eine extra Steuer fordern. Stimmt das?“
Interviewpartner: „Ja das stimmt, wir fordern mehr Jugendschutz und deshalb eine extra Steuer.“
Radiopraktikant: „Kann ich da ein paar O-Töne von Ihnen zu bekommen? Geht ganz schnell…“
Interviewpartner (hat schon darauf gewartet was ins Mikro sagen zu dürfen): „Klar machen wir.“
Dann stelle ich den Politiker/Pressesprecher/Experten/Was-auch-immer per Telefon in unser Aufnahmestudio durch. Hier werden nur Töne aufgenommen, gesendet wird wieder woanders. Ich gehe in die Kabine hinein und nehme den Hörer ab. Aufnahme starten und schon kann man den Gegenüber mit Fragen nerven. Im Prinzip habe ich mich während des Interviews einfach an den klassischen journalistischen W-Fragen orientiert (Wer hat Wann Wo Wem etc.) aber mit zunehmenden Stress bleibt kaum Zeit sich vorher zu einem bestimmten Thema zu informieren. Dann habe ich einfach mal frei improvisiert und irgendwas drauflosgefragt. War ziemlich egal, weil der Interviewte sich ja auskennt und als gewiefter Medienprofi sowieso ganz gut weiß welcher Satz in welcher Länge gut in unser Privatradio passt. Kritisch nachfragen geht dann natürlich nicht, aber das ist dem Sender auch nicht so wichtig. Am Ende nicht vergessen noch den vollständigen Namen zu erfragen, weil man bei zwanzig Telefoninterviews pro Tag schnell mal vergisst mit wem man überhaupt gesprochen hat. So alles Speichern. Fertig. Ganz egal ob man wieder mal nur rumgeeiert hatte und immer noch keine Ahnung vom Thema: Hauptsache am Ende kamen zwei gute Schnipsel von etwa zehn Sekunden Länge raus, wo jemand Wichtiges seine Meinung zum Besten gibt. Dann ist die Welt ‘ne Wolke.
Wie der gewiefte Radiopraktikant die Schnipsel in Rekordzeit auf die richtige Länge bringt und ob er es schaffen wird, die Stimme der Milchbauern noch rechtzeitig in die Zehn-Uhr-Sendung zu bringen. Das erfahrt ihr im nächsten Beitrag.