Praktikum beim Radio

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Radio Praktikant Burnout

Der Radiopraktikant steht kurz vor dem Burnout - (Foto: nazreth/sxc.hu)

Dass ich in den letzten Wochen nicht geschrieben habe hat einen Grund: Die Arbeit während des Praktikums ist mir sprichwörtlich über den Kopf gewachsen. Jeden Tag früh aufstehen (wir erinnern uns die Frühschicht beginnt um 7 Uhr, dass heißt für mich Aufstehen um 5:15 Uhr), in Windeseile frühstücken und dann eine Dreiviertelstunde in die Radioredaktion fahren. Wenn ich dort ankomme wird es gerade erst hell…

Auf dem Weg in der Cafeteria einen Coffee-to-go abstauben und dann Vollgas geben. Schon läuft das furchtbar öde ARD-Morgenmagazin über die Flachbildfernseher. Da heißt es Wachbleiben und Aufpassen falls eine wichtige Persönlichkeit zu Gast ist. Von der brauchen wir nicht nur Namen und Position sondern vor allem einen guten Ton. Also die Aufnahmetaste drücken und alles mitschneiden. Hinterher dann die Feinarbeit: Die besten Stellen im Audio-Schnittprogramm ausschneiden und zusammenschneiden.

Nach den Morgensendungen gibt es keine Pause: Ab ans Telefon und irgendwelchen Leuten für ein Interview hinterhertelefonieren. Zeit um sich in die Story einzulesen bleibt kaum, mit dem Hörer in der Hand lese ich noch rasch den Zeitungsartikel den mir die Chefin vom Dienst gegeben hat. Gewerkschaften fordern mehr Lohn – ok, keine neue Geschichte, aber warum nicht. Wieviel sie fordern, warum sie es tun und wie der Abstimmungsprozess im Falle eines Streikes läuft – keine Ahnung. Muss ich auch nicht wissen, rede ich mir selbst Mut zu. Falls gestreikt wird sind AP und DDP auf meiner Seite und schicken eine schöne rote Eilmeldung auf den Bildschirm. Können die ja auch recherchieren warum wieso und wie überhaupt!

Das Interview mit dem Gewerkschaftsvertreter ist im Kasten, im Fernsehen kommt auch nichts: Es ist auf einmal Flaute für uns Praktikanten. Und das ist ehrlich gesagt noch viel schlimmer als der Stress beim Arbeiten. Ich gucke rüber zu den anderen beiden Praktikanten (wir sind zu dritt, aber nicht jeder hat einen eigenen Schreibtisch. Sogar um einen Schreibtischstuhl muss man jeden Morgen aufs neue kämpfen). Auch sie drehen sich jetzt gelangweilt auf ihren Drehstühlen, die eine klickt eifrig auf ihrem Bildschirm herum. „Hast du eine Story?“, frage ich sie. Sie lacht und verneint mit gedämpfter Stimme. „Aber das müssen die da vorne ja nicht unbedingt merken!“. Mit ‚denen da vorne‘ meint sie die Chefin vom Dienst und die Redakteure die um sie herum sitzen. Alles eingefleischte Radioleute, die diesen Job schon seit Dutzenden von Jahren machen. Ich frage mich wie sie das durchgehalten haben: Der ständige Wechsel von Stress und Ruhephase wirkt zermürbend, die Nachrichten und die Art der Präsentation wiederholt sich ständig – es ist ein Job der zum einen langweilt und zum anderen höchste Konzentration fordert. Vielleicht bin ich nicht dafür gemacht, denke ich mir, und drehe noch einige Runden auf meinem Drehstuhl.


Was ist hier los?

Drei Monate Praktikum in einer modernen Nachrichtenredaktion - das prägt. Hoffnungsvoll bin ich mein Praktikum bei einem großen Radiosender in Berlin gestartet. Was ich erlebe, das lest ihr hier... Viel Spaß! Euer Radiopraktikant

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